Mashaal Omary

Advent, Advent, ein Streit entbrennt

Die 5 größten Irrtümer zum Weihnachtsfest und was Sie dieses Jahr anders machen sollten.

Weihnachtsbaum? Check! Geschenke? Check! Ärger? Check.
Geht es Ihnen auch so, dass Sie kurz vor Heiligabend noch etliches organisieren müssen? Und am Ende sind Sie enttäuscht, weil es nicht so gelaufen ist, wie Sie es sich eigentlich vorgestellt haben.
Die Geschenke haben der Familie nicht gefallen. Der Braten war etwas zu lange im Ofen. Die Kartoffeln zu hart. Und überhaupt.
Dass die Schwiegermutter dann noch an Ihrem Erziehungsstil mäkelt, weil Ihr Sohn ständig am Smartphone beim Essen sitzt, hat Ihnen gerade noch gefehlt. Dabei haben Sie sich vermutlich neben Ihren ganzen anderen alltäglich anfallenden Aufgaben richtig reingehängt?
Gerade Feste wie Weihnachten, Silvester oder Valentinstag verbinden wir mit bestimmten Vorstellungen und Wünschen, die erfüllt werden sollen. Wenn dies dann nicht eintritt, kann es schon mal krachen.
Folgende Irrtümer begünstigen Stress an den Feiertagen und zeigen Ihnen auf, was Sie dagegen tun können.

1. „Ich mach das doch alles nur für euch.“

Stellen Sie sich folgende Fragen: “Was verbinde ich mit Weihnachten, welche Erfahrungen, Werte und Wünsche? Welche Bedürfnisse sollen erfüllt werden?“ Wünschen Sie sich Anerkennung für die sorgfältig ausgesuchten Geschenke, den liebevoll gedeckten Tisch? Ihre Kinder sollen sich ordentlich benehmen?
STOPP! Setzen Sie sich nicht selbst unter Druck. Wir verbinden mit speziellen Jahresereignissen, bestimmte Vorstellungen und Handlungsabläufe. Manchmal drehen wir auch vorab bereits gedanklich einen kleinen Film, in dem die Nebendarsteller uns Hauptdarsteller gut aussehen lassen sollen. Dabei vergessen wir völlig, dass die Anderen – neben ihren Geschenken im Gepäck – auch ihre jeweiligen Bedürfnisse mitbringen.
Während Sie also darauf warten, dass Ihr aufwendig dekorierter Tisch gelobt wird, wartet Ihre Schwägerin vielleicht darauf, dass Ihnen ihr neues schickes Kleid auffällt, in das sie lediglich reinpasst, weil sie sich die letzten Wochen an eine strenge Diät gehalten hat.
Auch Ihr Sohn verhält sich seit Tagen merkwürdig, weil er sich fragt, ob die neue Playstation unterm Weihnachtsbaum liegt. Schließlich hat er es Ihnen gegenüber ja gefühlte tausendmal erwähnt.
Hält jeder an seinen Bedürfnissen und Erwartungen fest, entstehen unnötige Spannungen, die zwangsläufig zu Gereiztheit führen. Wenn Sie im Vorfeld die Bedürfnisse der Anderen wahrnehmen, können bestimmte Erwartungen Ihrerseits entkräftet werden und somit der damit verbundene Druck nachlassen.

2. Weihnachten, das „Fest der Liebe“?

Es gibt das ganze Jahr über immer mal wieder Spannungen zwischen Ihnen und einzelnen Familienangehörigen? Insgeheim fragen sie sich: „Muss ich denn mit denen Weihnachten feiern?“ Falls Sie sich dafür entscheiden und der Kontakt keine zusätzliche Belastung für Sie darstellt, muss zumindest nicht direkt an Heiligabend gemeinsam gefeiert werden. Überlegen Sie sich also, wie Sie Ihre Verwandten oder auch Bekannten an den Weihnachtstagen zeitlich verteilen können. Zum Beispiel, der Cousin und seine Frau kommen am 2. Weihnachtstag zu Café und Kuchen vorbei. Überlegen Sie sich, was für Sie stimmiger ist. Sollen diese zu Ihnen kommen oder möchten Sie Gast sein? Sie können gedanklich durchspielen, wann Sie wieder gehen müssen und auf welche altbekannten Verhaltensweisen Sie stoßen könnten. Und sollte dann doch ein Kommentar kommen, der für Sie schwierig ist, fragen Sie sich welchen Grund hat Ihr Gegenüber, sich zu verhalten. Welches Bedürfnis könnte dahinter stehen?
Beispiel: Die Schwiegermutter äußert ihren Unmut über das Verhalten ihres Enkels am Esstisch. Sie empfinden das, als Vorwurf bezüglich Ihres Erziehungsstiles.
Hypothese: Sie ärgert sich, weil sie ihren Enkel so selten im Jahr sieht und heute angenommen hat, mal wieder mehr von ihm erfahren und Zeit mit ihm verbringen zu können. Sie wird immer lauter, weil sie das Gefühl hat, ihr Enkel hört ihr nicht zu. Deshalb guckt sie hilfesuchend zu Ihnen, in der Hoffnung, dass Sie die Situation auflösen können.
Jedes Verhalten ist eine im Laufe des Lebens angelernte Strategie von uns, um mit Situationen zurecht zu kommen. Wenn wir uns für Außenstehende „komisch“ benehmen, liegt es oft daran, dass dieses Verhalten uns bei einer ähnlichen Situation schon einmal weitergeholfen hat. Unsere Liebsten haben es also nicht mit Absicht auf uns abgesehen.

3. „Die Kinder haben schon so viel durchgemacht, deshalb feiern wir gemeinsam!“

Sie möchten Ihren Kindern einen Gefallen tun, weil sie unter Ihrer Trennung/Scheidung gelitten haben? Nun, wäre es eine gute Gelegenheit, um den Kindern zu beweisen, dass Mama und Papa sie trotz der Trennung „lieb“ haben?
Achtung: Wenn der Trennungsschmerz bei Ihnen oder Ihrem Ex-Partner weiterhin vorhanden ist, ist es schwierig, dies zu überspielen oder gar einen ganzen Abend miteinander aushalten zu müssen. Denn gerade an Weihnachten reflektieren wir noch einmal kritisch unsere sozialen Beziehungen und familiären Verhältnisse. Wenn es zuvor schon langanhaltende und intensive Spannungen zwischen Ihnen und Ihrem Ex-Partner gegeben hat, ist Weihnachten wohl ein ungünstiger Zeitpunkt um gemeinsam zu feiern.
Auch wenn Sie Ihren Kindern ein frohes Fest bieten möchten, sollten Sie auf Ihre eigenen Grenzen achten. Kinder spüren, wenn es ihren Eltern nicht gut geht. Wenn Sie dann die Situation „überlächeln“, ist die Gesamtsituation umso verwirrender für Ihr Kind. Nach einer Trennung/Scheidung ist es wichtig, Ihrem Kind Sicherheit und Struktur zu vermitteln.
Wichtigste Voraussetzung ist, authentisch zu bleiben.

4. „Schön, dass ihr alle mal da seid! Es gibt Neuigkeiten!“

Jetzt sind alle mal zusammen, also können auch endlich die wirklich wichtigen Themen besprochen oder gar Ankündigungen gemacht werden, wie z.B. „Hab ich euch schon erzählt, dass ich mein Medizin-Studium beenden und erst mal um die Welt reisen werde?“ Auch wenn es verführerisch erscheint, dass alle Ohren und Augen der Familie jetzt auf das eigene Problem oder Anliegen gerichtet sind, sollten Sie keine „heißen“ Themen am Weihnachtsabend besprechen. Das Risiko, dass es in eine Grundsatzdiskussion ausartet, ist da. Vereinbaren Sie einen anderen Zeitpunkt, um wichtige Themen ausführlich zu besprechen.
Ist es nicht beruhigend zu wissen, dass die Zeit auch im nächsten Jahr noch weiter läuft?

5. Unliebsame Gewohnheiten brechen!

Am Ende des Jahres geht es oft noch mal an unsere letzten Energiereserven. Um sich dieses Jahr zu schonen, können Sie neue Methoden ausprobieren, welche Ihrer persönlichen Entlastung dienen können. Zum Beispiel:

  • Wer kann Sie wann entlasten? Wer übernimmt welche Aufgaben im Vorfeld, um die Wohnung „auf Vordermann“ zu bringen? Wer kann für das Dessert sorgen? Wer räumt nach dem Essen den Tisch ab?
  • Vielleicht gibt es ja dieses Jahr auch ausnahmsweise ein kaltes Buffet?
  • Eventuell reservieren Sie bei Ihrem Lieblingsitaliener einen Tisch oder lassen Sie sich das Essen nach Hause liefern.

Alte Gewohnheiten sollten dann verändert oder gebrochen werden, wenn sich diese bisher belastend auf Sie auswirken.
Das Wichtigste an Weihnachten ist doch, dass Sie Zeit im Kreise Ihrer Liebsten verbringen können, denn „erst wenn Weihnachten im Herzen ist, liegt Weihnachten auch in der Luft.“
William Turner Ellis

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Seit 2016 bin ich als Expertin bei Focus online tätig und veröffentliche als Gastautorin regelmäßig Artikel für die Kolumne „Familie“. Zu meinen Artikeln:

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Mashaal Omary

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