Unerfüllte Bedürfnisse: Was wir in der Partnerschaft sagen vs. Was wir ehrlich offenbaren sollten

„Unerfüllte Bedürfnisse sind wie verschlossene Schatzkisten, die darauf warten, entdeckt zu werden.“

Mashaal Omary

Eine gesunde Partnerschaft lebt von einer ehrlichen und offenen Kommunikation.

Im Beziehungsalltag stelle ich als Paartherapeutin oftmals fest, dass es große Unterschiede zwischen dem gibt, was wirklich zum/zur Partner:in gesagt wird und dem, was viele eigentlich empfinden. Bedürfnisse und Wünsche werden in einer Partnerschaft manchmal nicht sofort erfüllt oder werden von beiden unterschiedlich wahrgenommen.

Manchmal fehlt einem auch der Mut oder die Kraft, Enttäuschungen offen anzusprechen. In diesem Beitrag erkläre ich dir, wie du deine Bedürfnisse konstruktiver äußern kannst und dadurch gehört wirst. Vielleicht kommen dir ja meine folgenden Beispiele bekannt vor und du empfindest die Aussagen ähnlich?

Beispiel 1: Was zum/zur Partner:in gesagt wird:

„Es ist total ok, wenn du heute Abend mit deinen Freund:innen ausgehen willst.“

Was ehrlich offenbart werden sollte:

„Ich fühle mich manchmal etwas vernachlässigt, wenn du mehr Zeit mit deinen Freund:innen verbringst als mit mir und aufregende Unternehmungen mit ihnen planst. Auf der einen Seite freue ich mich für dich, dass du eine gute Zeit erlebst und dich vom stressigen Alltag erholst. Andererseits würde ich es wirklich zu schätzen wissen, wenn wir auch gemeinsam Zeit verbringen könnten und uns füreinander mehr Mühe geben.“

Beispiel 2: Was zum/zur Partner:in gesagt wird:

„Es ist mir egal, ob Valentinstag oder unser Jahrestag ist. Ich mach mir nicht viel daraus.“

Was ehrlich offenbart werden sollte:

„Ich möchte wirklich, dass wir unsere Partnerschaft feiern. Wir haben bereits einige Krisen gemeinsam überstanden, immer zueinander gehalten und fest an unsere Liebe geglaubt. Das könnten wir an bestimmten Tagen ganz bewusst honorieren.
Lass uns an bestimmten Tagen im Jahr, besondere Rituale schaffen und tolle Momente erleben. Wie wäre es damit?“

Beispiel 3: Was zum/zur Partner:in gesagt wird:

„Es ist alles in Ordnung.“

Was ehrlich offenbart werden sollte:

„Ich fühle mich momentan nicht wohl dabei, wie die Dinge in unserer Beziehung laufen. Ich möchte dich besser verstehen und wünsche mir auch von dir das Gefühl, gehört und gesehen zu werden. Können wir darüber sprechen?“

Was tun, wenn der/die Partner:in die Bedürfnisse nicht wahrnimmt?

Wenn Bedürfnisse von dem/der Partner:in nicht wahrgenommen oder anerkannt werden, kann das zunächst sehr frustrierend sein.

Hier sind vier Schritte, die du unternehmen kannst, um mit dieser Situation umzugehen. Es ist wichtig, sicherzustellen, dass dein:e Partner:in deine Bedürfnisse vollständig versteht und auch du dir seine/ihre Sichtweise anhörst und Offenheit hierfür aufbringst.

1. Klärung: Mache dir zunächst bewusst, wovon du gerade das Gefühl hast, zu wenig zu haben? Welches Grundbedürfnis steckt hinter deinem Wunsch?

2. Wunsch: (Beispiel) Du wünscht dir mehr Aufmerksamkeit von deinem/deiner Partner:in.

Bedürfnis: Du möchtest dich geliebt fühlen und wertgeschätzt werden. Du sehnst dich nach emotionaler und/oder körperlicher Geborgenheit, um Verbundenheit und Sicherheit zu spüren.

3. Verständnis: Es ist notwendig, sich darum zu bemühen, die Perspektive der Partner:in zu verstehen und seine/ihre Beweggründe zu erfahren. Vielleicht gibt es (triftige) Gründe, warum dein:e Partner:in deine Bedürfnisse nicht erfüllen möchte oder kann. In einer Partnerschaft auf Augenhöhe ist es wichtig, nicht nur die eigenen Bedürfnisse zu berücksichtigen, sondern auch die Bedürfnisse deines/deiner Partner:in.

4. Kompromisse: Es kann hilfreich sein, gemeinsam nach einem Kompromiss zu suchen, der für beide zufriedenstellend ist. Vielleicht gibt es alternative Wege, um die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen und die auch für den/die Partner:in akzeptabler beziehungsweise leichter umsetzbar sind.
Grenzen setzen: Wenn deine Partner:in deine Bedürfnisse nicht respektiert oder diese nicht unterstützt, solltest du Grenzen setzen und klar kommunizieren, was du in deiner Beziehung akzeptieren kannst und was nicht.

Professionelle Hilfe

Wenn du Schwierigkeiten hast, deine Bedürfnisse mit deinem/deiner Partnerin zu besprechen oder gemeinsam eine Lösung mit ihm/ihr zu finden, kann es hilfreich sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine Paartherapie oder eine Beratung kann dazu beitragen, Kommunikationsprobleme zu lösen und eine bessere Verbindung in der Beziehung aufzubauen.
Es ist wichtig zu erkennen, dass sich Bedürfnisse im Laufe einer Beziehung verändern können oder unterschiedlich empfunden werden.

Wenn dein:e Partner: in deine Bedürfnisse nicht anerkennt oder deine Grenzen trotz mehrfachen Bitten nicht respektiert, solltest du gegebenfalls über eine Trennung nachdenken.
Liebe kann nur auf Augenhöhe stattfinden und gegenseitiger Respekt ist die Basis.

Schlusswort

Denke bitte daran, dass dein:e Partner:in keine Gedanken lesen kann und es daher in deiner Verantwortung liegt, Bedürfnisse und Wünsche klar zu kommunizieren.

Gelingt das nicht, kann dies langfristig zu Frustration, für Missverständnisse und letztendlich für unüberwindbare Beziehungsprobleme sorgen.

Eine gesunde und glückliche Beziehung erfordert Arbeit und Kompromisse von beiden Seiten. Ein offener und ehrlicher Dialog ist ein guter Anfang.

Feel loved
Mashaal

Auf der Seite „Paarübungen“ findest du eine passende Aufgabe zu diesem Beitrag: Feel Loved – Paarübungen

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