Weltglückstag:
Was Lebensglück ausmacht

„Glück ist Selbstgenügsamkeit“ein Gedanke, mit dem sich bereits Aristoteles zu Lebzeiten auseinandergesetzt hat. Ein glückliches Leben erscheint uns heute jedoch immer illusorischer. Vergleiche mit anderen Lebensmodellen können leicht unbefriedigende Gedanken hervorrufen. So glauben zum Beispiel 71 % der Deutschen, dass ihre Familie, Freund:innen oder Kolleg:innen glücklicher sind als sie selbst.
Wovon hängt aber „wahrhaftiges Lebensglück“ ab und wie können wir selbst für ein zufriedenes Leben sorgen? Der Weltglückstag war mir Anlass, dieser Frage nachzugehen.

Immer mehr Menschen machen ihr Glück vom materiellen Wohlstand, einer guten Work-Life-Balance und einem erfolgreichen Partner an ihrer Seite abhängig. Laut einer Studie von Norstat, gibt jede:r vierte Deutsche zwischen 31 und 45 Jahren an unglücklich zu sein. Grund hierfür könnten falsche Ideale in den Medien sein oder der bestehende Druck, in jedem Lebensbereich möglichst erfolgreich zu sein.
Im Job wird auf Innovation gesetzt: „Wer rastet, der rostet“. Ein Beruf ohne Aufstiegsmöglichkeiten erscheint dabei vielen als Sackgasse.
In früheren Generationen war es üblich, ein Leben lang den gleichen Job zu machen. Das eigene Glück hing von Beständigkeit und festgefahrenen Alltagsmustern ab. Diese vermittelten damals Sicherheit.

Durch die Vielzahl an sozio-ökonomischen Angeboten, sowohl in Karriereangelegenheiten als auch in der Liebe und der Freizeitgestaltung kann es leicht zu Orientierungslosigkeit kommen. Konsum und schnelle Bedürfnisbefriedigung gaukeln uns Zufriedenheit vor. Unterstützt wird dies durch die sozialen Medien, in denen beruflicher und auch privater Erfolg demonstriert wird durch Selfies mit der glücklichen Lebenspartnerin, dem glücklichen Lebenspartner sowie den Luxusaccessoires, die die glücklichen Menschen schmücken.
„Höher, weiter, besser“ scheint der aktuelle Leitgedanke zu sein. Man selber scheint immer unzulänglicher zu sein, andere scheinen glücklicher durch’s Leben zu gehen. Wir verlieren immer mehr das Gefühl für uns selbst und unseren Wert.
Dabei brauchen wir nicht viel, um ein glückliches und erfülltes Leben zu führen. Seit 1938 befragt die Harvard-Universität 700 Menschen im zweijährigen Abstand zu ihrer Zufriedenheit im Beruf, welchen Freizeitbeschäftigungen sie nachgehen und wie glücklich sie in ihrer Ehe sind.
Die Antworten aus dieser Studie zeigten folgende Faktoren, die Einfluss nehmen auf das Glücksbefinden:

Enge Beziehungen zu Freunden und Familie
Ein regelmäßiger Kontakt und Austausch mit den Liebsten führen zu einem konstanten emotionalen Gleichgewicht. Wer kaum über soziale Beziehungen verfügt und sich häufig einsam fühlt, leidet öfter an psychischen und körperlichen Erkrankungen. Es ist somit nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen an einem Burn-Out leiden, da der Fokus ihres Alltages auf der Arbeit liegt und weniger auf Beziehungen.

Qualität statt Quantität
Laut der Harvard-Studie ist den unter 30jährigen wichtig, über eine Vielzahl von sozialen Kontakten zu verfügen.

Für die über 30jährigen hingegen spielt dieIntensität und das Vertrauen zu einzelnen Personen eine wichtigere Rolle. In beiden Fällen wird jedoch deutlich, dass Freundschaften für mehr Zufriedenheit und wahre Glücksmomente im Leben sorgen können.

Eine gute Ehe
Wer über eine solide und langjährige Beziehung verfügt, leidet später seltener an Gedächtniserkrankungen wie zum Beispiel „Demenz“. Vermutlich liegt das, am regelmäßigen Austausch und den gemeinsamen Aktivitäten, die einen körperlich und geistig fit halten. Entscheidend ist auch hier das Gefühl von Wertschätzung und Nähe zum Partner, zur Partnerin. Streitereien und Kränkungen hingegen verstärken auch in einer Ehe das Gefühl von Einsamkeit.

Wer das Gefühl hat, gebraucht zu werden und für jemand anderen da sein zu können, fühlt sich oft bedeutend und wichtig. Glück ist, wenn man es teilt.

Gesundheit
Für 51% der Deutschen steht die Gesundheit an wichtigster Stelle. Gerade jetzt, während der Corona-Pandemie wird es noch einmal deutlich, wie sehr das persönliche Lebensglück von der eigenen Unversehrtheit und der unserer Liebsten abhängig ist.
Dies könnte eine Chance sein, zu reflektieren, was im Leben wirklich wichtig ist und worauf man seinen Fokus in der Zukunft legen möchte

Was Lebensglück ausmacht – Schlusswort
Alle vier Faktoren verdeutlichen, dass zu einem glücklichen Leben nicht der materielle Wohlstand allein ausschlaggebend ist. Und auch der muss individuell festgelegt werden. Während der Eine von einem eigenen Haus träumt, fühlt sich der Andere wohl mit möglichst wenig um sich herum. Worin wir uns vermutlich aber alle einig sind: Das größte Haus macht uns nicht glücklich, wenn wir unser Glück nicht teilen können.
Wer keine Liebe im Leben hat, mit dem er sein Glück teilen kann, dem bringt auch das größte Haus nichts.

 

 

Quellen: SINUS-Institut (2019), Harvard-Universität „Grant-Studie“

Bildmaterial: Cottonbro by pexels